Rezension: Kraftklub – Keine Nacht für Niemand – Dürfen die das?

Kraftklub: "Keine Nacht für niemand"-Cover

Skandallieder! Schön, dass es sie noch gibt. „Dein Lied“ von Kraftklub zum Beispiel: Da schreibt einer ein Lied für seine Ex, die jetzt mit seinem besten Freund zusammen ist. „Hure“ nennt er sie im Refrain, über Streicher und wuchtige Pauken und alle regen sich auf. Hure? Dürfen die das?

Ich finde schon: Sticht die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks in diesem Fall nicht die rahmensetzende Unfreiheit des Dasmachtmanabernicht? Schaut man genauer hin, lassen viele Songs von „Keine Nacht für niemand“* die Zugetanheit erkennen, mit der sich Kraftklub den Kaputten, Gescheiterten und Glücklosen widmen. Es ist doch nicht chauvinistische Breitbeinigkeit, sondern verzweifelte Wut, die dem Verlassenen das „H“-Wort in den Mund legt.

Kapitalismus, Drogen, Wutbürger: Viele der neuen Songs bieten Stoff zum Diskutieren, ohne dass Kraftklub groß die Moralkeule schwingen oder ihres Partyfaktors verlustig gingen. Musikalisch präsentiert sich die Band nämlich angenehm divers und kredenzt tolles Tanzfutter. Indie-Geschrammel, Punkrock, HipHop und Pop existieren da in schönstem Neben-, Nach- und Übereinander.

Und alles weist darauf hin, dass Kraftklub ihre Pophausaufgaben gemacht haben: Der Titel ist eine schöne Anspielung auf Ton Steine Scherben, in „Sklave“ darf es sogar ein ein Depeche-Mode-Zitat, in „Venus“ eine Deichkind-Referenz sein. Unterstützend greifen Sven Regner und Farin Urlaub ins Geschehen ein. Stimmiges drittes Album. → www.kraftklub.to

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