Rezension: AnnenMayKantereit – „Alles nix konkretes“

Plattencover "Alles nix konkretes" von AnnenMayKantereit

Subversion, Protest, Revolution? Bitte weitergehen, „Alles nix konkretes“, das heiß erwartete Debüt von AnnenMayKantereit, taugt kaum als Soundtrack für den Straßenkampf. Die zehn Lieder erzählen von Trennungen, Sehnsüchten, Ich- und Wir-Problemen aus dem Alltag, mit denen sich wohl jeder schon einmal konfrontiert gesehen hat.

Zwar klingt Sänger Henning May etwa 25 Jahre zu jung für seine raue Stimme, Rock’n’Roll geht aber definitiv anders. Da helfen auch Gastauftritte bei K.I.Z. nicht. Zu AnnenMayKantereits Musik steht man nicht auf, man setzt sich hin – und trinkt sinnierend den ersten eigenen Lieblingsrotwein des Lebens aus Ikea-Gläsern.

Um fair zu bleiben: Auf Konzerten mag das anders zugehen. AnnenMayKantereit haben ihr Publikum in der Regel schnell im Griff und verstehen sich bestens darauf, es in Wallung zu versetzen. Ihr Debüt hingegen versprüht bisweilen eine gewisse bürgerliche Spießigkeit, auf die man sich einlassen muss. Wie heißt es in „3. Stock“? „Ich würd gern mit Dir, in ’ner Altbauwohnung wohnen mit ’nem kleinen Balkon“.

Es ist der unkalkulierten Offenheit, mit der sich May emotional offenbart, zu verdanken, dass „Alles nix konkretes“ hörbar bleibt und nicht ins Schlagerhafte abdriftet. Über dem fusselfreien, aus Indie, Folk und Liedermachertum gewebten Klangteppich, den die Band dem Zuhörer ausrollt, klingt das mal nach Reiser, mal nach Lindenberg, mal nach Mumford & Sons – und manchmal eine Spur zu zahnlos. annenmaykantereit.com

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